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Sich zuhören

Wann haben Sie sich das letzte Mal zugehört? Was, das tun Sie schon? Sind Sie sicher? Sich zuhören, bedeutet, die Worte so hören, als spräche sie eine andere Person, als wüssten Sie nicht, wie es sich von innen anfühlt, diese Worte zu sprechen.

Stellen Sie sich doch um des Experimentes willen vor, was Sie von einem Menschen denken würden, der die Worte und Sätze spricht, die Sie gerade sprechen. Dann bekommen Sie einen Eindruck davon, wie vieldeutig  das ist, was Sie sagen. Sie werden merken, dass Ihr Gegenüber es gar nicht so leicht hat, Sie zu verstehen - denn er muss ohne das innere Begleitgefühl auskommen, zu dem Sie Zugang haben und das Ihnen so oft den trügerischen Eindruck vermittelt, Sie drückten sich klar aus.

Wenn Sie sich nun gut zugehört haben, dann werden Sie feststellen, dass Sie das ein oder andere nicht sagen, was Sie denken und fühlen. (Das ist in Ordnung, ich bin durchaus nicht für schonungslose Offenheit.) Die Frage ist aber: Haben wenigstens Sie selbst das Gedachte und Gefühlte, aber Nicht-Ausgedrückte richtig gehört? Also so gehört,  als spräche es ein anderer. Was für einer Person begegnen Sie dann, wenn Sie Ihren Gedanken und Gefühlen zuhören?

Es kann schwierig sein, auszusprechen, was man denkt. Wenn Sie es verstehen, sich selbst besser zuzuhören, werden Sie es künftig leichter finden. Denn einen Zuhörer haben Sie dann schon.

Was brauche ich?

Die Frage nach unseren Bedürfnissen lenkt die Aufmerksamkeit auf die eigene Person. Für manche ist diese Perspektive ungewohnt, weil sie sich anderen Menschen, bestimmten Werten oder Idealen verpflichtet fühlen und sich die Frage nach eigenen Bedürfnissen nur in engen Grenzen gestatten.

„Was erwartet man von mir?“

„Was wollen andere von mir?“

 „Was ist richtig?“

„Was sollte ich tun?“

Diese Fragen lenken die Aufmerksamkeit auf die Wünsche und Interessen anderer, auf Normen oder Wertvorstellungen, die in gewisser Weise unabhängig von mir selbst existieren. Die Frage „Was brauche ich?“ hingegen führt mich zu mir selbst zurück und lädt zu sorgfältigerer Selbstwahrnehmung ein. Die Frage nach den Bedürfnissen ist dann auch eine gute Vorbereitung auf die Frage nach den eigenen Zielen: „Was will ich in dieser Situation erreichen? Wo will ich hin?“

Wer für sich selbst Verantwortung übernehmen will, braucht Kenntnis der eigenen Bedürfnisse. Gewiss spielen die Interessen und Bedürfnisse anderer Menschen sowie bestimmte Werte und Normen auch eine Rolle bei der Wahl unserer persönlichen Ziele, aber ohne den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen laufen wir Gefahr, unsere „Zielsicherheit“ zu verlieren.

Tücke des Subjekts

Haben Sie manchmal den Eindruck, dass Sie sich selbst im Weg stehen? Dass Sie es sich einfacher und leichter machen könnten? Dass nicht der blöde Stuhl an Ihren Rückenschmerzen, nicht der Chef an Ihrem Ärger, nicht das Wetter an Ihrer Laune schuld ist?

“Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.” Dieser herrliche Satz von Ödon von Horvath deutet eine ungemütliche Wahrheit an. Wir selbst hindern uns daran, so zu leben, wie wir es wünschen.

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